front

CORONA Neuigkeiten

Zusammengestellt aus BAG Informationen und COVID-19 – Webinar der Marfan Gesellschaft USA

 

Micheal Weamer, Josephine Grima, Eileen Masciale, Enid Neptune, Juan Bowen, Shaine Morris

Vollständiges Webinar:

Siehe https://www.youtube.com/watch?v=B0EK7WONSRU&feature=youtu.be

 

Liebe Patientinnen und Patienten

Hier eine Zusammenfassung der momentanen Einschätzung und Information zur COVID-19 (SARS-CoV-2) Pandemie.

Wir möchten festhalten:  Aktuell ändert sich die Lage rasch und Empfehlungen werden stetig aktualisiert. Bitte konsultieren Sie deshalb regelmässig die Website des BAG.

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov.html

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Sie Ihre betreuenden Ärzte bezüglich Risikoabschätzung kontaktieren können und sollen (telefonisch oder per E-Mail)- insbesondere auch zur Planung des Vorgehens (telefonisch oder per E-Mail).

Matthias Greutmann, Francesca Bonassin, Florian Schönhoff und Christine Attenhofer Jost

Kardiologie, Universitätsspital Zürich

HerzGefässZentrum Zürich, Klinik Im Park

HerzGefässChirurgie, Inselspital Bern

Was ist das neue Coronavirus?

SARS-CoV-2 ist ein neues Coronavirus. Das Virus wurde Ende 2019 in China aufgrund einer aussergewöhnlichen Häufung von Lungenentzündungen in der zentralchinesischen Stadt Wuhan entdeckt.

Das Virus gehört zur selben Familie wie die Erreger des Middle-East Respiratorischen Syndroms (MERS) und des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (SARS).

Die gegenwärtig verfügbaren Informationen lassen den Schluss zu, dass das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen wurde und sich nun von Mensch zu Mensch ausbreitet. Der örtliche Ursprung ist wahrscheinlich ein Fisch- und Tiermarkt in der Stadt Wuhan, der unterdessen geschlossen wurde.

So wird das neue Coronavirus hauptsächlich übertragen

  • Bei engem und längerem Kontakt: Wenn man zu einer erkrankten Person länger als 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand hält.
  • Durch Tröpfchen: Niest oder hustet die erkrankte Person, können die Viren direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen von anderen Menschen gelangen.
  • Über die Hände: Ansteckende Tröpfchen aus Husten und Niesen können sich an den Händen befinden. Sie gelangen an Mund, Nase oder Augen, wenn man diese berührt.

Viren überleben einige Stunden in winzigen Tröpfchen auf Oberflächen wie Türklinken, Haltevorrichtungen, Liftknöpfen, etc. Ob man sich anstecken kann, wenn man solche Oberflächen anfasst und danach Mund, Nase oder Augen berührt, ist zurzeit nicht klar.

WAS STELLT KEIN ERHOEHTES RISIKO DAR?

  • Aortenaneurysma
  • Frühere Herzoperation mit Herzklappenersatz oder Ersatz der Aorta vor mehr als 6 Monaten

                                                                                                        

WAS SIND DIE HOCHRISIKOGRUPPEN?

  • Restriktive Lungenerkrankung
  • Lungenemphysem
  • Chronisches signifikantes Asthma bronchiale
  • COPD/chron. Obstruktive Lungenerkrankunge
  • Ateminsuffizienz
  • Rezidivierender Pneumothorax
  • Schwere Herzklappenerkrankungen, die Beschwerden verursachen
  • Herzinsuffizienz/schwere Herzschwäche
  • Hoher Blutdruck/Hypertonie
  • Immunosuppression mit Cortison oder anderen Medikamenten, die das Immunsystem schwächen
  • Chronische Unterernährung

Allerdings kann auch diesen Patienten gut bei einer Erkrankung geholfen werden, bitte aber bei einer Hochrisikosituation rechtzeitig Kontakt aufnehmen mit dem behandelnden Arzt bei Problemen wie Husten, Fieber und/oder Mühe mit Atmen.

 

WAS IST NICHT EMPFEHLENSWERT?

  • BITTE JETZT NICHT Impfungen nachholen, wie Prevenar 13 oder Grippeimpfung, das sollte man nicht in einer Pandemiezeit machen, wir wissen nicht, wie das Immunsystem danach reagiert auf einen COVID-19 Infekt
  • AUF KEINEN FALL MEDIKAMENTE ABSETZEN oder WECHSELN wie Losartan, Valsartan, Irbesartan etc., dafür gibt es keine Daten
  • Bitte den Aerzten gegenüber erwähnen, dass Antibiotika der Fluorochinolonklasse nicht empfehlenswert sind beim Vorliegen von Erkrankungen der Aorta (bspweise Ciproxin, Avalox, Tavanic, Mofloxacin etc.)
  • Entschwellungsmittel für die Nase, die folgende Substanzen enthalten wie Pseudoephedrin, Ephedrin, Phenylephrin (Vibrocil, Neosynephrin etc.), Naphazolin, Oxymetazolin (Oculasan)

WAS IST EMPFEHLENSWERT

  • Bei Fieber von mind. 38°C, Atemnot und/oder Husten bitte den Hausarzt/Hausärztin oder den Spezialisten kontaktieren.
  • Bei Halsschmerzen Tee mit Zitrone, Honig, Panadol/Dafalgan bzw. Paracematol Produkte, Novalgin, normale NaCl Sprays
  • Häufiges Händewaschen
  • Social Distancing d.h. mind. 2m Abstand von anderen Personen, Vermeiden von öffentlichen Verkehrsmitteln in Stosszeiten etc.,
    Homeoffice wo möglich
  • Husten/Niesen in Papiertaschentuch oder Armbeuge

 

HAENDE WASCHEN

Wann sollte ich mir die Hände waschen?

Sooft als möglich, aber besonders:

  • bevor man Essen zubereitet
  • vor dem Essen
  • bevor man den Kindern zu Essen gibt
  • nach dem Schnäuzen, Niesen oder Husten
  • nach dem nach Hause kommen
  • nachdem man im ÖV war
  • nachdem man eine kranke Person besucht hat, oder man engen Kontakt mit Material von Kranken oder ihren persönlichen Gegenständen hatte
  • bevor man Kontaktlinsen einsetzt oder herausnimmt
  • nachdem man eine Hygienemaske weggenommen hat
  • nach dem Gang zur Toilette
  • nachdem man einem Kind die Windeln gewechselt oder es auf die Toilette begleitet hat
  • nach dem Umgang mit Abfall
  • wenn man schmutzige Hände hat

Wie wasche ich die Hände richtig?

Händewaschen mit Seife bietet bei richtiger Durchführung aktuell den besten Schutz.

  • Machen Sie die Hände unter fliessendem Wasser nass.
  • Seifen Sie die Hände ein, wenn möglich mit Flüssigseife.
  • Reiben Sie die Hände, bis sich Schaum bildet – auch die Handrücken, zwischen den Fingern, unter den Fingernägeln und die Handgelenke.
  • Spülen Sie die Hände unter fliessendem Wasser gut ab.
  • Trocknen Sie sie mit einem sauberen Handtuch, wenn möglich mit einem Wegwerf-Papiertuch oder einer einmal benutzbaren Stoffhandtuchrolle.

Was muss ich noch beachten?

  • Verwenden Sie möglichst Flüssigseife.
  • Am besten tragen Sie keine Ringe. Falls Sie einen Ring tragen: Ziehen Sie ihn vor dem Händewaschen aus, reinigen Sie ihn mit Seife und trocken Sie ihn gut.
  • Pflegen Sie Ihre Haut: In lädierter Haut können sich richtige «Mikrobennester» bilden. Verwenden sie zur Pflege der Haut eine Feuchtigkeitscreme.
  • Schneiden Sie die Fingernägel kurz und bürsten Sie die Nägel regelmässig. So kann sich darunter kein Schmutz ansammeln

 

HUSTEN / NIESSEN

in Papiertaschentuch oder Armbeuge husten und niesen.

Schnäuzen, Niesen, Spucken, Husten: Damit können wir Viren übertragen, wenn wir die Verhaltensregeln nicht beachten.

Wie kann ich das Übertragungsrisiko verringern oder vermeiden?

  • Halten Sie beim Husten oder Niesen etwas vor Nase und Mund, am besten ein Papiertaschentuch.
  • Wenn Sie keines haben, husten oder niesen Sie in Ihre Armbeuge und nicht in die Hände. Sollten Sie doch die Hände benutzen, waschen Sie sie möglichst gleich danach gründlich
    mit Wasser und Seife.
  • Schnäuzen nur in Papiertaschentücher (keine Stofftücher).
  • Spucken Sie in ein Papiertaschentuch.
  • Waschen Sie die Hände nach jedem Husten, Niesen und Spucken in ein Papiertaschentuch.
  • Verwenden Sie Papiertaschentücher und benutzen Sie es nur einmal. Dann entsorgen Sie es.

Weitere Literatur (Tip von PD Dr. G. Matyas Genetikzentrum Schlieren)

Angiotensin receptorblockers as tentative SARS-CoV-2 therapeutics.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32129518

Liebe Teilnehmer

Aufgrund der momentanen Situation mit dem Coroanavirus sehen wir uns gezwungen, das geplante Kaffeetreffen vom 22. März 2020 in Zürich-Stadelhofen zu verschieben. Da die Marfan-Betroffenen zur Risikogruppe gehören, möchten wir diese nicht noch weiter exponieren. 

Sobald sich die Corona-Lage beruhigen wird, werden wir den Anlass wieder planen. 

Hebed Sorg

Olivia Bombarideri und Hanna Brändli

 

Laut zwei Berner Fachärzten haben die Medikamente möglicherweise einen Effekt auf den Krankheitsverlauf von Herzpatientinnen und -patienten.

Sars-CoV-2-Viren: Es könnte sein, dass Blutdrucksenker ihren Eintritt in die Lunge begünstigen. Könnte es sein, dass häufig eingesetzte Blutdrucksenker den Verlauf der Erkrankung mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 beeinflussen? «Das ist bisher nur eine Hypothese. Aber sie würde eine Ungereimtheit erklären», sagt Rami Sommerstein, Oberarzt an der Universitätsklinik für Infektiologie am Berner Inselspital.

Typisch bei gewissen Erkältungsviren oder Grippe ist laut Sommerstein, dass vor allem Menschen mit Immunschwäche oder Tumorleiden schwer erkranken. Auch schwangere Frauen und Babys seien teilweise mehr gefährdet. «Soweit wir bisher wissen, gilt das beim neuen Coronavirus nicht. Das hat uns überrascht.»

Gemäss der bisher grössten Studie an über 44'000 Erkrankten in China ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf stattdessen erhöht bei Menschen mit Bluthochdruck, mit Diabetes, Herz-Gefäss-Erkrankungen und bei einem Alter von über 70 Jahren. «Es scheint, dass auch Herzpatientinnen und -patienten ein höheres Risiko haben. Das sind alles nicht die klassischen Risikogruppen. Und das war schon bei Sars so», stellt Sommerstein fest. Sars-CoV-2 und Sars sind nah verwandt.

Was Sommerstein und seinem Kollegen, dem Herzspezialisten Christoph Gräni, besonders zu denken gibt: Patientinnen und Patienten mit diesen erwähnten Erkrankungen nehmen sehr häufig bestimmte Blutdrucksenker, insbesondere sogenannte ACE-Hemmer (wie etwa Lisinopril) oder Sartane (zum Beispiel Losartan). Beide Typen von Blutdrucksenkern wirken ähnlich. In der Schweiz lösten 2018 schätzungsweise fast 1,2 Millionen Menschen Rezepte für solche Wirkstoffe ein. Allein Lisinopril nahmen gemäss dem Helsana-Arzneimittelreport über 160'000 Personen.


Die Viren heften sich in der Lunge an bestimmte Stellen.

«Ich habe versucht herauszufinden, welche Medikamente die Patientinnen und Patienten genommen haben, die schwer an Covid-19 erkrankt oder gar gestorben sind», sagt Sommerstein. «Aber das wird in den bisherigen Studien nicht berichtet.» Man habe noch nicht untersucht, ob das ein wichtiger Faktor sein könnte.

Das europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC), wo die Fäden in Europa zusammenlaufen, sammelt ebenfalls keine Informationen zum Gebrauch dieser Medikamente bei den Corona¬virus-Erkrankten. «Auch damals bei Sars wurden keine entsprechenden Studien gemacht.»

Dass der Infektiologe ausgerechnet diese Blutdrucksenker im Visier hat, liegt an biologischen Besonderheiten von Sars-CoV-2. Hellhörig wurde Sommerstein, als Ende Januar bekannt wurde, dass sich diese Viren in der Lunge an ganz bestimmte Stellen heften. Als Eintrittspforte in den Körper wählen sie die Stellen, an denen normalerweise ACE2 andockt.

ACE2 ist ein körpereigenes Eiweiss mit mehreren Aufgaben: Es senkt den Blutdruck und bewahrt die Lunge vor schweren Schäden, beispielsweise vor dem akuten Atemnotsyndrom im Gefolge von Lungenentzündungen. ACE2 ist mit dem ACE-Eiweiss verwandt, das durch die ACE-Hemmer blockiert wird. Forscherinnen haben in Tierversuchen herausgefunden, dass durch die Gabe von ACE-Hemmern die Zahl der ACE2-Andockstellen ansteigt. Wäre das auch beim Menschen so, könnte das bedeuten, dass die Viren wegen diesen Blutdrucksenkern besser in die Lunge eindringen könnten, dass mehr Viren eindringen würden und eine Lungenentzündung schwerer verlaufen würde.

Allerdings wurden bei den Tierversuchen deutlich höhere Medikamentendosen eingesetzt, als es bei der Behandlung von Menschen üblich ist. Die Frage sei, ob die Einnahme solcher Medikamente im Zusammenhang stehe mit einem schwereren Verlauf der Erkrankung, sagt Sommerstein. «Um das zu klären, bräuchten wir rasch verlässliche Daten.»


Fachärzte raten Betroffenen ab, Blutdrucksenker abzusetzen.

Eine andere Hypothese besagt das Gegenteil. «Es ist möglich, dass das Coronavirus Herzpatientinnen und -patienten durch eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Herzmuskels schwächt. In diesem Fall würden die Blutdrucksenker das Herz unterstützen», sagt Christoph Gräni, Leitender Arzt an der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital. Momentan sei die Rolle der Blutdrucksenker unklar, überraschend ist aber der mögliche Zusammenhang zwischen den Viren und diesen sehr oft eingesetzten Medikamenten.

Um Ärztekolleginnen in aller Welt schnell darüber zu informieren, haben Gräni und Sommerstein vergangene Woche einen Leserbrief an das «British Medical Journal» geschickt. «Wir hoffen, dass wir so rasch Studien anstossen, um mehr herausfinden zu können.»

Bis es so weit ist, raten beide Fachärzte allen Personen, die solche Medikamente nehmen, dringend davon ab, selbst zu experimentieren oder ihre Blutdrucksenker abzusetzen. «Wir wissen eindeutig noch zu wenig, um eine Empfehlung abgeben zu können.»

 

marfantag Coronavirus Stellungsnahme Medizinischer Beirat

© Marfan Stiftung Schweiz, Marktgasse 31, 3011 Bern